Geschichte des TSV Richelsdorf

Der TSV Richelsdorf, so aus dem ältesten noch vorhandenen Protokollbuch vom 01.01.1905, wurde am 04.12.1884 gegründet. Ein weiterer Verein, der nicht unwesentlichen Anteil an der Geschichte des TSV hat, wurde im Jahre 1925 gegründet: Der „Radfahrverein Richelsdorf“.

Aus den Geschichtsprotokollen geht hervor, dass beide Vereine zu dieser Zeit eine Fußballabteilung besaßen. Die Vereinsmitglieder des TSV sowie des Radfahrvereins waren sich damals bereits einig, dass nur ein fußballtreibender Verein in Richelsdorf überleben würde. Es wurde daraufhin von beiden Seiten der Wunsch geäußert, einen Zusammenschluss herbeizuführen.

Hier, im Jahr 1925, wollen wir mit dem Rückblick beginnen:

Für einen Sportplatz wurde mit dem damaligen Land- und Gastwirt Heinrich Schade am 07.08.1926 ein Pachtvertrag abgeschlossen. Er stellte dem Verein für 100,- RM Pacht pro Jahr 2 Morgen Wiese zur Verfügung. Auf diesem Gelände wurde ein Fußballfeld errichtet. Durch Aufstellen zweier primitiver Lattentore hatte man bereits mehr als andere Vereine zur damaligen Zeit.

Bereits nach einem knappen Jahr, am 21.06.1927 wurde dieser Pachtvertrag von Heinrich Schade wieder gekündigt. Man fand einen neuen Platz, um dem Hobby nach zu jagen. Dieser neue Sportplatz befand sich an der Stelle des jetzigen Freizeitgeländes, unterhalb des Wohnhauses Gerlach. Die zweite Richelsdorfer Fußballmannschaft fand ihren Platz auf Hartungs-Wiesen, unterhalb des Friedhofes. Diese Hartungsche Wiese diente bis zum Jahre 1936 als Sportplatz.

Aus einem Protokoll des 11.06.1936 geht hervor, dass die damalige Gemeinde das Turngelände am heutigen „alten Platz“ als Fußballfeld zur Verfügung gestellt hatte. Durch überwiegende Eigenleistungen er Mitglieder wurde dieser Platz für den Fußball bespielbar gemacht. Genau in der Mitte des Spielfeldes stand zu dieser Zeit ein Mast der EAM für eine 20 KW-Leitung. Dem damaligen Spielbetrieb tat dies keinen Abbruch. Im Jahre 1938 wurde der Strommast dann seitens der EAM entfernt. Um die erforderlichen Maße eines Fußballfeldes zu erreichen, musste der Sportplatz in seiner Größe erweitert werden. Der Plan eines neuen Sportplatzes war geboren.

In diesem Jahr 1936 kam dann der nach 11 Jahren ersehnte Zusammenschluss des TSV und des Radfahrvereins. Bis zu diesem Zusammenschluss hatten beide Vereine nur männliche Mitglieder. Durch die Zusammenführung beider Vereine war ein starker Zuwachs an Mitgliedern, auch weiblicher Mitglieder, zu verzeichnen. Mehr Mitglieder standen auch für mehr Interessen. So wurde eine Turnerinnenabteilung gegründet, welche erstmalig Weihnachten 1938 gemeinsam mit männlichen Turnern unter viel Beifall für das gezeigte Können im Saal bei Hartung auftrat.

Aufgrund des 2. Weltkrieges kamen die Tätigkeiten des TSV vollständig zum Erliegen. Nach Kriegsende wurden dann von den alliierten Mächten sämtliche Vereine und Verbände aufgelöst. Versammlungen jeglicher Art von Gruppen ab 5 Personen wurde von den Besatzern strengstens verboten. Die Richelsdorfer ließen sich jedoch nicht einschüchtern:

Alte Mitglieder, auch diejenigen die frühzeitig aus der Gefangenschaft zurückkehrten, befolgten dieses Verbot nicht und hielten dann 1945 in Hartungs Saal heimliche Absprachen über den Fortbestand des TSV Richelsdorf 1884 e.V. Richelsdorf war von den Amerikanern besetzt worden. Diese bekamen Wind von den abgehaltenen heimlichen Versammlungen bei Hartungs. Während einer Versammlung wurde die Gaststätte umstellt und alle Teilnehmer wurden über Nacht eingesperrt. Dieses Versammlungsverbot wurde kurze Zeit später wieder von den Verbündeten aufgehoben.

Das erste Richelsdorfer Nachkriegsfußballspiel wurde am 06.06.1945 in Gerstungen ausgetragen. Erst 1947 fand dann die erste Jahreshauptversammlung unter dem Vorsitzenden Georg Schade statt. Der TSV begann wieder zu wachsen: Nachdem 1945 nur eine Fußballmannschaft für den TSV spielte, war 1947 laut Protokoll von der Bildung einer Jugendmannschaft die Rede.

Nachdem nun Deutschland geteilt wurde, suchte man trotz schwieriger Absprachen den Kontakt zu DDR-Mannschaften. So wurden 1952 ein Hin- und ein Rückspiel gegen Ritschenhausen gespielt. Im Spieljahr 1951/52 wurde der TSV Fußballmeister in der B-Klasse und stieg in die A-Klasse auf.

Im Jahr 1957 wurde der Turn- und Sportverein dann umbenannt in den Eisenbahner Sportverein Richelsdorf. Dies hing damit zusammen, dass der damalige Eisenbahnsportverband erhebliche Zuschüsse für diese Vereine bereit stellte. Nachdem die Voraussetzungen nicht mehr gegeben waren, musste der Verein aus diesem Verband am 30.03.1970 ausscheiden.

1973 wurde der Bau eines neuen Sportplatzes geplant.

Die Fußballabteilungen des TSV Richelsdorf und des TSV Süß schlossen sich am 01.06.1975 zur Spielgemeinschaft Richelsdorf/Süß zusammen.

Am 23.07.1978 konnte dann der 5 Jahre lang geplante neue Sportplatz für den Spielbetrieb freigegeben werden.

In der Zeit von April 1986 bis Juli 1987 wurde dann ein Sport- und Schützenhaus am neuen Sportplatz in Richelsdorf zum Teil durch herausragende Eigenleistungen der Mitglieder gebaut. 4300 Stunden Eigenleistung, erbracht von ca. 100 Mitgliedern, trugen dazu bei, dass dieses schöne Funktionshaus nach 16 Monaten Bauzeit in Betrieb genommen werden konnte. Kann man nur der Hoffnung Ausdruck geben, dass diese herrliche Sportanlage noch viele Jahre mit Leben erfüllt sein wird.

Im Jahr 2000 konnten wir den 25. Geburtstag der Spielgemeinschaft Richelsdorf/Süß feiern. Im Dorfgemeinschaftshaus Süß fand anlässlich dieses Geburtstages ein Festkommers statt.

Durch diesen fußballerischen Geschichtsanriss ist zu sehen, was ein Verein im Laufe der Zeit bewegen kann, wenn das Wohl des Vereins an entsprechender Stelle der Mitglieder steht.

Ehrentafel der 1. Vorsitzenden

1. Freiherr von Volter
2. Heinrich Becker
3. Johannes Münch
4. Georg Schuchardt II
5. Ernst Löffler
6. Wilhelm Zihn
7. Heinrich Ruch
8. Adolf Schäfer
9. Georg Schröder
10. Karl Bender
11. Heinrich Margraf
12. Karl Wetterau
13. Heinrich Rimbach
14. Wilhelm Kohlhaas
15. Georg Schade
16. Heinrich Stockhardt
17. Walter Grießer
18. Walter Burghardt
19. Georg Schäfer
20. Karl Schadt
21. Egon Rimbach
22. Erhard Jäger
23. Helmut Stockhardt
24. Horst Jungk

Neben den Vorsitzenden danken wir auch all denen, die stets bereit waren, sich für den Verein uneigennützig einzusetzen.