Weltmeister Pierre Littbarski unter den Zuschauern beim Wildecker Sonnenhof-Juniorencup

WILDECK. Unter den zahlreichen Zuschauern des hochkarätig besetzten Sonnenhof Juniorencups in der Obersuhler Großsporthalle  war auch der Chefscout des VfL Wolfsburg, Pierre Littbarski. Der Fußballweltmeister von 1990, der in dieser Position seit 1. Februar 2012 bei den VW-Städtern tätig ist, nutzte die Möglichkeit, seinen Sohn, Lucien, das Team des VfL und die vielen anderen Fußballtalente in Augenschein zu nehmen.

Litti mit Sohn beim U11-Turnier 2013

Der berühmte Papa auf der Obersuhler Tribüne mit seinem Sohn: Pierre Littbarski und Lucien, der bei der U 11 des VfL Wolfsburg spielt.

„Ich bin sehr selten dabei, da ich verständlicherweise gewöhnlich Samstag und Sonntag als Scout unterwegs bin“, so der prominente Gast. Geduldig erfüllte er die zahlreichen Foto- und Autogrammwünsche, ohne den Blick auf das Spielfeld zu vernachlässigen. Für ihn sei als Spieler natürlich der Gewinn des Titels in 1990 –„das Größte was man als Profi erreichen kann“- in bester Erinnerung. In der Bewertungsskala seiner Erfolge als Trainer, zwei Titel mit dem Yokohama FC (Japan) und dem Gewinn der australischen Meisterschaft in 2006 mit dem Sydneyer FC siedelt er in der Bewertungsskala nicht so hoch an. Wichtig sei einfach, die Zusammenarbeit mit jungen Leuten verschiedener Nationalitäten und Einstellungen. Um am Saisonende ganz vorne zu stehen, hänge von vielen Faktoren ab und mache die Aufgabe so interessant.

Als Trainer in der Bundesliga werden wir „Litti“ wohl nicht mehr erleben, allerdings schloss er ein Engagement im Ausland nicht ganz aus. „Ich bin mit meinem Job in Wolfsburg sehr zufrieden und es macht Spaß mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man aus der Vergangenheit kennt“, so Littbaski auf der Obersuhler Tribüne. Ein positiver Nebeneffekt am Samstagnachmittag war natürlich der 2:1 Sieg der Wölfe gegen Borussia Dortmund.

Lobende Worte fand er auch für den Ausrichter, die SG Wildeck. Die Turniere mit solch einem prominenten Teilnehmerfeld stellen seiner Meinung nach für alle Beteiligten einen echten Prüfstein dar. „Gut finde ich auch die Übernachtsmöglichkeiten der Kinder bei Gasteltern. Dies prägt das soziale Verhalten der jungen Kicker“, so der Familienvater. In Anspielung auf die Auftaktniederlagen des VfL legte er nach, dass die Kinder natürlich traurig seien, dass sie nicht gewonnen haben, „trotzdem ist jedes Turnier wichtig“. Von den besseren Mannschaften können die jungen Kicker noch viel lernen. „Der Hamburger SV zum Beispiel hat ein viel größeres Einzugsgebiet, wie wir“, weist er auf die kleinen Unterschiede im Fußballgeschäft hin. Für seinen Sohn Lucien, der erst in den letzten beiden Spielen mit sieben Treffern seine Torjägerqualitäten unter Beweis stellte, steht außer Frage, dass er Fußballprofi werden will. Der Vater sieht das realistisch. Mit dem Erreichen der U12 erfolgt bei den Wolfsburgern der große Umbruch. Ab dieser Altersstufe geht es langsam in die professionelle Richtung.  „Die zehnjährigen sind noch in der Entwicklungsphase, erst mit 13, 14 Jahren kann man sagen, in welche Richtung es geht“, so die Aussage des ehemaligen Bundesligaprofis. (bt)

Pierre Littbarski:

Der 53-jährige gebürtige Berliner kam über den VfL Schöneberg und dem FC Hertha 03 Zehlendorf zum 1. FC Köln. Hier absolvierte er von 1978 bis 1993 406 Bundesligaspiele, unterbrochen von einem einjährigen Engagement (1986/87) beim Racing Paris. 1993 wechselte er nach Japan, wo er bei Bummell Sendai 1997 seine aktive Laufbahn beendete. Bei drei Weltmeisterschaften (Spanien, Mexiko, Italien) war er dabei. Höhepunkt der Titelgewinn 1990 mit dem 1:0 gegen Argentinien. In seinen 73 Länderspielen gelangen ihm 18 Tore. 1999 stieg er dann ins Trainergeschäft ein. Zwei Meisterschaften in Japan und einen Titel in Australien hat er vorzuweisen. Von 2010 bis 2012 war er Co-Trainer beim VfL. Wolfsburg. Seit Februar 2012 leitet er hier den Arbeitsbereich „Spielerbeobachtung und Entwicklung“.  (Thomas Becker)